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So geht wohnen in Soest

Ergebnisse eines Workshops von Bürgerinnen für Bürgerinnen

„Genau genommen, geht es nicht um uns. Dieser Workshop ist für Menschen gedacht, die sich vorstellen können, hier zu wohnen. Es geht um Sie! Um diejenigen, die bereit sind eine neue Form des Zusammenlebens in Soest aktiv mit zu gestalten. Vielleicht fragen Sie sich, was nun Ihr eigener Anteil an diesem Projekt sein soll? Ganz einfach: Seien Sie einfach der Mensch, der Sie bereits sind. Sagen Sie frei heraus, was Ihr Leben einfacher oder besser machen würde. Mehr müssen Sie nicht tun. Stellen Sie uns kritische Fragen, seien Sie neugierig, blicken Sie in die Zukunft und erzählen Sie uns, wie Sie wohnen möchten!“

So beginnen wir am 12. Oktober 2019 den 1. Mi(e)tmach-Workshop im Adam Quartier Soest. Wir, das sind Thorsten Schlieckmann, Laura Kloers, Christoph Hommerich, Sabrina Rahtgens und Christoph Hellkötter.

Von links nach rechts: Sabrina Rahtgens, Christoph Hommerich, Laura Kloers, Thorsten Schlieckmann. Versteckt hinter der Kamera: Christoph Hellkötter.

Wir sind bunt. Nicht, was unsere Kleidung angeht, aber unsere Team-Zusammensetzung. Von Juristen über Betriebswirten, Soziologen, Architekten und Sozialpsychologen: Hier vorne in der ersten Reihe beim ersten Mi(e)tmach-Workshop in Soest geht es interdisziplinär zu. Muss es auch, wenn man ein Quartier im Quartier entwickelt, das so ambitioniert und innovativ ist.

Vor uns sitzt ein Kreis ausgewählter Leute. Es sind Menschen aus Soest und Umland, die unser Projekt seit vielen Monaten begleiten. Von Mietinteressentinnen über engagierte Bürgerinnen, bis hin zu potentiellen Kooperationspartnern: Die Teilnehmer passen zu uns. Sie sind auch bunt gemischt.

Im rustikalen Zelt machen wir es uns gemütlich und beginnen bei heißem Kaffee und Tee, zwischen Kuchen und Schnittchen, zu erzählen.

Wie es dazu kam, dass ein Münchner Investor ein Innovationsprojekt in Soest umsetzt

Es ist Anfang 1970, als Christoph Hellkötter aus Werl zum ersten Mal auf den alten Turm der Adam Kaserne in Soest blickt. Aus dem Auto heraus starrt der kleine Junge mit großen Augen auf die imposanten Gebäude. Die Gebäude üben fortan eine Faszination auf Christoph Hellkötter aus, der als junger Mann schließlich die Soester Umgebung verlässt, um Architektur zu studieren.

Während  sich das Gesicht der BEM Adam Kaserne im Laufe der Jahrzehnte immer wieder veränderte, blieb eines in Soest und Umland gleich:

Der Soester tut sich schwer mit Veränderungen.

Doch Ausnahmen bestätigen die Regel!

Turm der ehemaligen BEM Adam Kaserne in Soest

Der junge Bub von damals sitzt heute als erfahrener Projektleiter auf jenem Gelände, das morgen das Wohnen der Zukunft bedeutet. Als er 2017 davon hört, dass die Gebäude der BEM Adam Kaserne zum Verkauf stehen, denkt er sofort an die Münchner Immobiliengesellschaft und deren Geschäftsführer Christoph Hommerich. Das ist derjenige, dessen unternehmerische Vision auch im Dienst des Gemeinwohls steht.

Christoph Hellkötter führt uns kurz anhand von Bildern und Film durch das Kasernengelände früher und heute. Die Teilnehmer erfahren, wie das Gelände in den 1930er Jahren aussah – und was wir damit vorhaben.
„Haben Sie Lust, einmal eines der Gebäude anzuschauen?“ fragt der Projektleiter des Adam Quartier Soest.
Alle nicken und wir betreten kurz darauf das AQS-Gelände im Belgischen Viertel.

Der Saal im „Block 7“ – Raum für ein Café, Lese-Ecken, Arbeitsräume, Beisammensein

Zu schön, um wahr zu sein?

Wir stehen im alten Casino in „Block 7“. Eine riesige, wunderschöne Halle. Hier sollen in zwei Jahren Menschen in einem Café Platz finden, in gemütlichen Sesseln in aller Ruhe lesen – oder in einer der Bürokabinen arbeiten.

„Meint Ihr das alles echt ernst, oder ist das einfach nur eine intelligente Vermarktungsstrategie?“ fragt mich eine Teilnehmerin.
Ich schlucke schnell den leckeren Kuchen herunter, den Jutta vom Café am Dom gebacken hat. Eine Frage dieser Art höre ich häufig, seit ich für die Armand Adam GmbH & Co. KG arbeite. Die Leute sind skeptisch, wenn jemand als Kapitalgesellschaft etwas tut, das von Herzen zu kommen scheint. Und da sind wir beim springenden Punkt.

Ich antworte ehrlich:
„Es gibt zwei verschiedene Formen von Intelligenz in einer Vermarktungsstrategie. Eine, die aus egoistischen Motiven daherkommt, nur verkleidet in Fürsorge. Und eine, die tatsächlich von Herzen kommt. Beide können sehr authentisch sein und die wichtigste Frage ist, woran Sie erkennen, dass Sie es mit echter Wertschätzung zu tun haben?“ frage ich zurück.
Sie ist kurz still, ehe sie mir skeptisch in die Augen schaut.
„Keine Ahnung. So einen riesen großen Aufwand betreiben Sie doch nicht einfach nur aus freien Stücken heraus, oder?“

Jetzt bin ich still. Diesen Satz sagt sie, weil Organisationen verschiedenster Art und Größe das Vertrauen von Menschen missbraucht haben. Über Jahrhunderte. Das Misstrauen der Menschen ist nachvollziehbar und eine gesunde Skepsis ja auch nichts Schlechtes!

Die Armand Adam GmbH & Co. KG ist eine Kapitalgesellschaft, gegründet für ein besseres Wohnen in Soest

„Wir haben vorhin klargestellt, dass wir keine gemeinnützige Organisation sind. Wir müssen mit diesen Wohnungen, die wir hier bauen, Geld verdienen für Investitionen, Zinsen und Betriebsaufwand. Alles andere wäre nicht intelligent, weil nicht wirtschaftlich. Anderes zu behaupten ist Unsinn. Unser Ziel ist eine bessere, intelligentere, sozialere Form des Wohnens zu etablieren. Eine, die nicht darauf abzielt, sich selbst auf Kosten anderer zu bereichern, sondern eine Form des gesunden und sozialen Wohnens. Das ist Teil unserer Unternehmensphilosophie und Teil unserer Vision. Wir wissen, dass Vertrauen nicht über Nacht entsteht. Beobachten Sie uns einfach. Wir haben Zeit. Und wenn Sie Geduld haben, finden wir schon zueinander“, schließe ich meinen Satz mit einem Augenzwinkern.

Wir müssen zurück ins Zelt, das wir zwischen den Häuserblöcken 4 und 5 aufgebaut haben. Jetzt werden neue Ideen generiert, Fragen beantwortet und die nächsten Schritte festgelegt.

Das Workshop Zelt zwischen „Block 4“ und „Block 5“ im Adam Quartier Soest

Gemeinschaft, Finanzen und Gebäude

Wir sortieren in der großen Runde und überlegen, spinnen herum, verschieben Wände, pflanzen Bäume, bauen Spielplätze mit Trampolin, stehen Rede und Antwort zu den Themen Gemeinschaft, Finanzen und Gebäude. Die Sammlung nimmt immer weiter Form an: Ein zentrales Gästezimmer, das bei Bedarf buchbar ist, ein Jugendzimmer für junge Bewohner, Energieversorgung über Geothermie mit Vor- und Nachteilen, Self-Storage, Gründung eines Mietervereins zur Selbstverwaltung, gewünschte Spielregeln des Zusammenlebens, ein Büroservice, Café in Block 7, haustierfreundliche Wohnungen, große Kinderzimmer… (weitere Beispiele finden Sie im FAQ Bereich auf dieser Website)

Den Teilnehmern wird schnell klar, was es bedeutet, ein solches Projekt zu stemmen.

„Wir sind noch am Anfang. An der Stelle, wo wir sammeln und mit jeder neuen, guten Idee, die Pläne verändern. Wir bauen kein 08/15 und folgen altausgetretenen Pfaden. Deshalb dauern unsere Schritte an manchen Stellen etwas länger. Auch die Behörden einer Stadt können auf unsere Art der Umsetzung keine Schablonen anlegen. Für uns braucht es gute Nerven, neue Schablonen, andere Vorgehensweisen. Letztlich machen wir gerade die Vorarbeit für das, was zukünftige Generationen mit ihren Wohnprojekten nutzen können“, höre ich Christoph Hellkötter in einer Kleingruppe erzählen.

Sabrina Rahtgens und Christoph Hommerich sammeln Ideen von Bürger*innen

Wie es nun weiter geht

Unsere Idee vom besseren, intelligenteren, sozialeren Wohnen hat noch weiter Form angenommen. Durch die neuen Einfälle von kreativen und bodenständigen Menschen aus Soest und Umland, hat das Projektkonzept ein klareres Gesicht bekommen – vielen Dank an alle Teilnehmer!

Ihr Feedback ist wichtig. Ihre Sicht auf die Dinge hilft unserem Team dabei, jene Wege zu gehen, die es braucht, um zukünftig besser miteinander zu wohnen. Schreiben Sie uns, wenn Sie mitmachen wollen!

Auf unserer FAQ-Seite finden Sie außerdem ab 01.11.2019 weitere Antworten auf Ihre Fragen.

Wir machen nun unsere Hausaufgaben und gehen mit Ihren Ideen weiter voran. Über unseren Newsletter (Anmeldung unter info@armand-adam.de ) oder auf dem Blog erhalten Sie regelmäßig Informationen darüber, wo wir gerade im Projekt stehen.

Bis bald!

Von links nach rechts: Thorsten Schlieckmann, Christoph Hellkötter, Sabrina Rahtgens, Laura Kloers und Christoph Hommerich