Bauantrag für Adam Quartier Soest – wir sind SO nicht genehmigungsfähig

„Wie jetzt, Ihr Bauantrag ist nicht genehmigungsfähig? Heißt das, Sie bauen nun doch nicht?“ fragt Frau Kellner berechtigterweise. Könnte man als Laie auch tatsächlich so verstehen, denn Bezeichnungen und Verfahrensweisen bei Bauprojekten sind von außen nicht immer ganz nachvollziehbar. Tatsache ist: Die Stadtverwaltung beabsichtigt aktuell, unsere Vorhaben abzulehnen und hat uns eine Frist gesetzt, innerhalb derer wir auf die offenen Punkte reagieren können. Damit Frau Kellner Einblick in das Schreiben der Stadtverwaltung Soest zu unserem Bauantrag bekommt, haben wir einen Telefontermin ausgemacht. Mit ihrer Zustimmung darf ich sogar darüber schreiben.

Der Bauantrag ist SO, mit DIESEN zu klärenden Punkten nicht genehmigungsfähig…

… bis alle Fragen geklärt sind. Es ist das Recht von Behörden, ganz genau nachzuhaken, wenn es um die Umsetzung neuer Projekte geht. Vor allem, wenn viele Punkte von 08/15 abweichen.

Frau Kellner und ich sprechen heute neben Corona-Themen (sie gehört zur Risikogruppe) auch unseren „nicht genehmigungsfähigen Bauantrag“ durch.
„Frau Rahtgens, für mich hört sich das langsam so an, als wird das nichts mehr. Ich will nur ehrlich sein, nehmen Sie´s mir nicht krumm“, sagt die ältere Dame geradeheraus.
„Nehm ich Ihnen nicht krumm, im Gegenteil. Ich würde erstens dasselbe denken und zweitens, mich ärgern, weil ich nicht weiter planen kann“, antworte ich.

Ich weiß, dass Frau Kellners Tochter bereits mit ihrer Familie in einem der Einfamilienhäuser im Belgischen Viertel eingezogen ist. Der Plan ist, dass Oma in die Nähe zieht. Da bietet sich eine Wohnung bei uns im Adam Quartier Soest natürlich an.
Bloß: Wann kann die Familie damit rechnen, dass Oma auch tatsächlich nebenan wohnt? Und gibt es einen Aufzug oder nicht? Denn ohne Aufzüge, da muss Frau Kellner passen. Das ist ihr dringendstes Problem (Parkplatzschlüssel und Co-Working interessieren die Rentnerin reichlich wenig, aber wir kommen trotzdem gleich darauf zurück, der Vollständigkeit halber).

„Wissen Sie, im Moment geht das zwar noch, ich laufe ganz normal Treppen hoch und runter. Jetzt wohne ich auch im zweiten Stock ohne Aufzug. Toll ist das halt nicht. Ich weiß ja auch nicht, wie lange ich noch gut zu Fuß bin und ich sag Ihnen das jetzt auch mal ganz ehrlich: In meinem Bekanntenkreis, da würde keiner mehr irgendwo einziehen ohne Aufzug“, erzählt Frau Kellner.
Ich kann das nachvollziehen.
„Frau Kellner, dieses Schreiben von der Stadt Soest. Das ist keine Ablehnung im Sinne von: Es ist das „Aus“ für das Projekt. Es ist eine Anhörung, weil unser Bauantrag so nicht genehmigungsfähig ist. Es geht darum, auf die Bedenken der Behörden einzugehen und im nächsten Schritt Lösungsmöglichkeiten miteinander durchzugehen. Es geht darum, auf fachlicher Basis Entscheidungen zu treffen und Verknüpfungen herzustellen, die alle zufrieden machen. Im Idealfall hat hinterher jeder mehr, als er vorher hatte. Vor allem diejenigen, die später in diesem Viertel wohnen“, sage ich und bin ehrlich optimistisch. Immer noch.

Immer noch, ist Folgendes unsere Planung:

  • Wir kreieren einen Ort, an dem die Anwohnerinnen und Anwohner des gesamten Belgischen Viertels eine Begegnungsstätte mit Home-Office Charakter, Gemeinschaftsflächen und Rückzugsort haben: in unserem Gebäude „B7“, das ehemalige Casino der Kaserne.

    Selbstverständlich haben wir dabei auf dem Schirm, dass wir niemanden damit stören, wenn ein solcher Ort entsteht – im Gegenteil! Wir sorgen dafür, dass Leute bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad aus dem gesamten Belgischen Viertel zu uns kommen. Das reduziert den Verkehr und ist wahnsinnig praktisch. Es sind ausdrücklich keine störenden Events oder größere Veranstaltungen in „B7“ geplant. Lärm ist das, was wir reduzieren, weil es die Gesundheit von Menschen beeinträchtigt. Wir bieten gesunde Lebensräume, die Menschen Raum für Entfaltung ermöglichen.

    Wir haben uns bereits eine Lösung überlegt, wie wir den Bedenken der Stadt an dieser Stelle begegnen können, denn im Schreiben zur Anhörung unseres Bauantrags kommt die Sorge zum Ausdruck, dass „der zu erwartende An- und Abfahrtsverkehr“ in einem zu hohen Maße erfolgen könnte. Genau das soll ja nicht passieren!
  • Lärm schadet genauso wie Luftverschmutzung und Ressourcenverbrauch. Aus diesem Grund blicken wir bereits heute in die Zukunft der Bewohner*innen des Viertels. Manchmal wollen sie sich vielleicht doch an einen anderen Ort begeben J. Dafür bieten wir zusätzliche Mobilitätskonzepte: Autos und Fahrräder mit Elektroantrieb zum Ausleihen, wenn man sie braucht. Das spart Kosten, Emissionen, Nerven und Platz. Die ewige Suche nach einem Parkplatz vor der eigenen Haustüre – fällt weg. Das Umparken des Zweitwagens, um den Erstwagen rauszufahren – Vergangenheit! Heißt: wir brauchen weniger Parkplätze, weil weniger ungenutzte Autos rumstehen. Die Soester Verwaltung rechnet mit einem autofreundlichen Stellplatzschlüssel von 1,5. Heißt: je Wohnung gibt es im Durchschnitt eineinhalb Autos zu parken. Viele unserer Mieter werden gar kein Auto mehr haben, oder noch nie eines gehabt haben. Deswegen rechnen wir mit der offiziellen Vorgabe der Landes Nordrhein-Westfalen von einem Stellplatz je Wohnung. Auch damit gehen wir in die Anhörung. 

  • Das AQS erhält die wunderschöne Gartenstadtarchitektur der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Das Ganze wäre mit Gebäude „Block 6“ noch schöner gewesen, dann könnte man den Fächer, den die Gebäude gemeinsam aufspannen, vollständig wahrnehmen. Leider ist Block 6 dem Abriss zum Opfer gefallen und wir setzen alles daran, nicht noch mehr Gebäudesubstanz zu zerstören, als unbedingt nötig. Die Denkmalschutzbehörde hat bei unseren Plänen bezüglich Außenaufzüge geschrieben: „Die Außenaufzüge beeinträchtigen das Baudenkmal, mit seiner repräsentativen Gestaltung der nationalsozialistischen Architektur, erheblich“.

    Hier sehen Sie ein Beispielbild, wie wir uns einen Außenaufzug vorstellen. Sehen Sie hierin eine Beeinträchtigung? Oder eine wunderbare Aufwertung?  

„Und wie geht es dann jetzt weiter?“ will Frau Kellner wissen, als mir auffällt, dass ich sie möglicherweise ein kleines wenig zu viel vollgetextet habe… Denn wir sind uns ja einig: Tolles Konzept, bloß etwas lahm in der Umsetzung.
„Wir sammeln Unterlagen und Belege für unsere Argumentation und setzen uns ein weiteres Mal mit dem Bauamt zusammen“, sage ich.
„Kann ich dann nächstes Jahr noch einziehen?“ fragt sie zum Schluss.
„Nach aktueller Planung: Ja. Immer noch.“ Immer noch optimistisch, dass wir in naher Zukunft ein „okay“ für unseren Bauantrag kriegen.

Übrigens: Wir haben uns diese Ideen nicht im Alleingang ausgedacht, sondern Bürger*innen und Bürger, politische Vertreter*innen und Einfamilienhausbesitzer*innen im Belgischen Viertel befragt. Wir stehen nach wie vor im persönlichen Dialog. Diese realen Bedürfnisse und Wünsche haben wir aufgegriffen und in unserem interdisziplinären Team nachhaltige Lösungen erarbeitet. Jetzt geht es darum, die behördlichen Hürden zu nehmen. Unser Vorschlag für weniger Lärm, Verkehr und Versiegelung und mehr Sicherheit, Grün und Komfort heißt übrigens: grünes Parkhaus.
Unser Angebot an die Stadt lautet, den Bebauungsplan in einem Teilbereich um ein Parkhaus mit Mobilitätsstation für unsere Elektroautos- und Fahrräder sowie zusätzlichen Stellplätzen für unsere Mieter und Nachbarn zu ergänzen.

Lesen Sie dazu in Kürze

  • Warum Grüne Parkhäuser Potenzial für Grüne Oasen in Soest haben und wie das mit Erweiterungen für Bebauungspläne zusammen passt (Stichwort: Besucherparkplätze)
  • Intelligente Mobilitätskonzepte in Soest (Stichworte: Shuttleservice in die City und zum Bahnhof, leistungsstarke E-Ladestationen für Autos, Fahrräder, Lastenfahrräder und alle E-Mobile
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